Aufbauende Landwirtschaft am Tempelhof

Natürliche Kreisläufe für einen vielfältigen und gesunden Lebensraum

Aktuell: Rund 120 Bäume und 140 Sträucher gepflanzt!

Nach langem Warten auf den Regen, Spendensammelaktionen, viel Beratung über die richtigen Standorte und Auswirkungen auf die Landwirtschaft haben Anfang November die Baumpflanzungen begonnen.

Es werden Obstbäume, Robinien und Walnunssbäume gepflanzt, die dazu beitragen, dass wir unsere Ernährung auf mehr Langfristigkeit umstellen, unsere Landschaft wieder lebendiger und die Biotope artenreicher werden können.

Großer Dank an all die freiwilligen Helfer und Spender!! Wer sich noch beteiligen möchte: wir sammeln weiter für die nächsten Pflanzungen auf unserer Spendenwebsite.

Unsere Vision einer aufbauenden Landwirtschaft

Es ist Zeit für den Wandel auf dem Feld

Die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft entscheidet sich daran, ob wir es schaffen natürliche Grundlagen zu regenerieren.

Konzeption

Das Projekt Aufbauende Landwirtschaft am Tempelhof basiert auf vier Grundpfeilern und wird teamübergreifend durch den Landwirtschaftsbetrieb, die Permakultur Arbeitsgruppe, das wissenschaftliche Forschungsprojekt und verschiedene Veranstaltungsteams in enger Zusammenarbeit umgesetzt.

Lebensraum gestalten

Als Gemeinschaft übernehmen wir die Verantwortung für einen gesunden Lebensraum für Mensch, Tier, Pflanze und Mikroorganismen!

Unter Berücksichtigung der Ausgangsbedingungen entwickeln wir einen ganzheitlichen Ansatz für die Landbewirtschaftung durch unsere Gemeinschaft.

Mit Methoden der Permakultur und des holistischen Managements planen und gestalten wir einen zukunftsfähigen Lebensraum, in dem die natürlichen Kreisläufe und die Grundbedürfnisse von allen Lebewesen Beachtung finden.

Nachhaltige Bewirtschaftung

Unser landwirtschaftlicher Betrieb folgt der Vision einer nachhaltigen Produktion und setzt die Maßnahmen zur Gestaltung der Landschaft zusammen mit unserem Permakultur-Team um.

Bewirtschaftung umfasst dabei implizit Pflege- und Regenerationsmaßnahmen, die zum Humusaufbau und Vielfalt in der Land(wirt)schaft beitragen.

Da die Landschaft aus früherer Zeit sehr ausgeräumt ist, pflanzen wir Hecken und Bäume und legen andere Biotope an, z.B. Teiche oder Randstreifen, damit ein vielfältiges Ökosystem mit hoher Biodiversität entstehen kann.

Erforschung und Dokumentation

Der Wandel in der Agrarlandschaft muss großflächig sein, daher braucht es begleitende wissenschaftliche Forschung, um zu überprüfen, welche Maßnahmen am wirksamsten sind und wie Konzepte in andere Kontexte übertragbar sind.

Unser Schwerpunkt liegt auf transdisziplinärer Forschung mit holistischer Herangehensweise.

Die Fragestellungen entstehen direkt aus der Praxis; aktuelle Forschungsergebnisse können unmittelbar angewendet werden. Hierdurch können theoretisches Wissen und innovative Praxis zusammenkommen.

Erfahrungen weitergeben

Die Zukunftswerkstatt Tempelhof beschäftigt sich mit vielen Fragen rund um das Thema „Wie kann zukunftsfähiges Leben gelingen?

Wir erforschen uns selbst, unser Miteinander und unsere Umwelt.

Hierdurch generieren wir ein Transformationsfeld, an dem wir Menschen von außen teilhaben lassen, damit Wandel an möglichst vielen Orten eintritt.

Im Bereich der Aufbauenden Landwirtschaft und Permakultur bieten wir Workshops, Erfahrungswochen, Ausbildungen und Führungen an, um unsere Erkenntnisse weiterzugeben.

Klimawandel, Boden- und Artenverlust erzwingen ein Umsteuern unserer Landnutzung

Felix Prinz zu Löwenstein in „Food Crash“

Gestaltende Elemente einer Aufbauenden Landwirtschaft

Unser Ziel ist eine Ressourcen aufbauende Landwirtschaft, die natürliche Kreisläufe wiederbelebt, eine hohe ökologische Stabilität und Resilienz fördert, sowie einen vielfältigen Lebensraum und gesunde Nahrung für Menschen, Flora, und Fauna zur Verfügung stellt.

Puzzlesteine einer ganzheitlichen Gestaltung

Der Werkzeugkasten einer aufbauenden Landwirtschaft ist gut gefüllt. Einige Methoden sind hier aufgelistet und einer besseren Verständlichkeit wegen in verschiedene Systeme eingeteilt. Dabei gilt es zu bedenken, dass viele dieser Aspekte in verschiedenen Systemen vorkommen können.

Market Garden

Der Market Garden - oder der bio-intensive Gemüseanbau - ist ein System, welches sich einen intensiv genutzten Beetanbau zum Vorbild nimmt, und versucht, auf möglichst kleiner Fläche einen hohen Ertrag zu erzielen. Dabei steht die Fruchtbarkeit des Bodens im Vordergrund, die u.a. durch folgende Maßnahmen entwickelt werden soll: Dauerhafte Beetstrukturen, feste Wege, Verzicht auf Traktor & Co, Verwendung von hochwertigem Kompost, viel Handarbeit mit leichten Geräten, sowie eine enge Bepflanzung mit "Lückenfüllern", um den Boden durch Bewuchs zu schützen und über die Wurzeln zu nähren.

Aufbauender Ackerbau

Ursprünglich fruchtbare Böden haben sich durch eine schleichende Bodenerosion und Bodendegradierung der letzten Jahrhunderte aufgrund der ackerbaulichen Nutzung gravierend verschlechtert. Ein regenerativer, aufbauender Ackerbau zielt darauf ab, den Boden aktiv aufzubauen. Dies kann erreicht werden, indem der Boden ständig bedeckt ist (Zwischenfrüchte, Untersaaten), Wurzeln den Boden halten und nähren, Biomasse das Bodenleben nährt, und auf den Einsatz von schweren Maschinen (Gefahr der Bodenverdichtung) genauso wie auf Pestizid- und chemische Düngerzugaben verzichtet wird. Eine Minimal-Bodenbearbeitung, aber trotzdem den (derzeitigen) Bedürfnissen der Landwirtschaft entspricht, ist eine wichtige Komponente einer aufbauenden Bewirtschaftung.

Agroforstsysteme

Agroforstsysteme sind Landnutzungssysteme, die die Nutzung von Gehölzstrukturen mit dem Anbau von Feldfrüchten oder einer Grünlandbewirtschaftung kombinieren. Die Vertikale einer Fläche wird deutlich besser ausgenutzt und kann Material zur Nahrung, zum Bauen oder zur Energiegewinnung produzieren. Die Strukturen schaffen einen Lebensraum für eine große Vielzahl von Tieren und Pflanzen und nutzen Synergien und Kreisläufe der Natur auf sinnvolle Art und Weise. Foto: Raymond Sauvaire: Silvoarables Agroforstsystem mit Walnuss-Hybriden und Winterweizen, Frankreich

Mehrjährige Gemüsepflanzen

Mehrjährige Gemüsepflanzen steigern die Agrobiodiversität und benötigen je nach Kultur deutlich weniger Anzucht-, Pflanz- und Pflegeaufwand. Sie erhöhen die Vielfalt der angebauten Kulturen (z.B. durch neue Pflanzenfamilien - Wildpflanzen) und die saisonal mögliche Artenvielfalt (z.B. durch wintergrüne Pflanzen). Bei mehrjährigem Anbau ohne Grundbodenbearbeitung tragen sie zum Erhalt der des Bodenlebens bei. Zudem ermöglichen sie die Nutzung von saisonalen Übergangszeiten ohne externe Energiezufuhr.

Stoffkreisläufe

Nachhaltig (im Sinne eines dauerhaften Funktionierens) ist ein Ökosystem dann, wenn es quasi ohne ständige Zufuhr von Stoffen von "außerhalb des Systems" dauerhaft bestehen kann (Luft und Wasser ausgenommen). Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob und inwieweit es möglich ist, eine Landwirtschaft ohne Nährstoffzufuhr von "Außen"  - d.h. von außerhalb des Betriebes - zu betreiben. Tempelhof ist ein Ort, an dem der weitaus größte Teil der Erzeugnisse vor Ort auch konsumiert wird - die Nährstoffkreisläufe (fast) zu schließen, wäre also theoretisch möglich. Wir möchten hierzu forschen.

Oberflächenwasser

Uns ist die große Bedeutung des Wassers für die Landschaft, die Flora und Fauna, sowie für den Menschen bewusst. Daher wollen wir erste Schritte in Richtung eines neuen Umgangs mit den natürlichen Wasserressourcen und einer Integration von Wasser in die Landwirtschaft tun. Die Etablierung von Teichen und Seen in der Landschaft sorgt für die Speicherung von Wasser in "guten Zeiten" für trockene Perioden, die Verlangsamung des Oberflächenabflusses, positive Auswirkungen auf die kleinklimatischen Bedingungen und bietet Lebensraum für Tier- und Pflanzenarbeiten.

Umsetzung

Die Umgestaltung einer Aufbauenden Landbewirtschaftung am und um den Tempelhof ist ein langfristiges Projekt, das zugleich Tatendrang und viel Geduld erfordert. Während der ersten sieben Jahre ist mit viel Engagement das Beleben des Bodens, der Aufbau der Gewächshäuser und die Anpflanzung von einigen permakulturellen Bereichen vorangebracht worden. Nun steht in einer neuen Phase die bewusste Weiterentwicklung der Landwirtschaft aufgrund von ganzheitlichen Planungen an. Über die Umsetzung wollen wir hier berichten:

Wo stehen wir heute?

Der landwirtschaftliche Betrieb ist nach sieben Jahren etabliert und kann die Gemeinschaft sowie eine wachsende Gruppe von Menschen im Umfeld, sowie Restaurants und Läden konstant mit guter Qualität beliefern. Der Boden konnte in bestimmten Bereichen des Geländes bereits erheblich verbessert werden. Aufbauend auf diesen Erfahrungen steht nun die Ausweitung und Intensivierung der Bodenverbesserung an bei gleichzeitiger Dokumentation der Verfahren und Ergebnisse. Erste permakulturelle Bereiche (Waldgarten, Hecke, Baumreihen, Beete) wurden gestaltet, die Bepflanzung wächst von Jahr zu Jahr. Jetzt stehen grundlegende Entscheidungen zur Gesamtplanung der Landschaft an bevor weitere Bäume und Hecken gepflanzt werden können. Für den Bau von Teichen laufen die Vorplanungen.

Herausforderungen

Eine besondere Herausforderung für uns ist es, Weiterentwicklung und Forschung neben dem laufenden landwirtschaftlichen Betrieb zu bewerkstelligen. Während der Hauptsaison bleibt wenig Zeit für langfristige Planungen, die wissenschaftlichen Untersuchungen müssen sich in den Betriebsablauf einfügen und kontinuierliche Dokumentation von Nährstoffzufuhr und Ertrag muss zu einem Teil der Routine werden. Daneben läuft die Öffentlichkeitsarbeit zu Bodenaufbau, Permakultur und Solidarischer Landwirtschaft weiter mit der Begleitung von helfenden Gästen, Praktikanten und thematischen Führungen. Da weiterhin große Teile der Planungs- und Gestaltungsarbeiten ehrenamtlich erfolgen, braucht es immer wieder Geduld und die Bereitschaft auf den richtigen Zeitpunkt zu warten.

Was sind die nächsten Schritte?

Für das Jahr 2018 sind folgende Schritte geplant:

 

  • Auswertung der Ergebnisse der Bodenuntersuchungen zur Ausgangslage aus 2017
  • Etablierung einer kontinuierlichen Dokumentation von Nährstoffzufuhr, Bearbeitung und Ertrag im Betrieb
  • Biodiversitätsuntersuchung zur Ausgangslage von Mai – Juli
  • Detailplanung der permakulturellen Umgestaltung der Landwirtschaft
  • Beantragung verschiedener Forschungsprojekte gemeinsam mit Partneruniversitäten
  • Begleitung von ersten Forschungsarbeiten von Studenten
  • Weitere Bepflanzung und Entwicklung des Waldgartens
  • Baumpflanzaktion im Herbst

Wer arbeitet mit?

Als echtes Gemeinschaftsprojekt lebt dieses langfristige Vorhaben von dem Einsatz sehr vieler Menschen! Mit dabei sind:

 

  • Das Landwirtschafts-Team um Maya Lukoff und Sebastian Heilmann.
  • Das Permakultur-Team um Stefan Schwarzer.
  • Für Forschungskoordination und Öffentlichkeitsarbeit Helene Urbain und Martina Jacobson.
  • Die ganze Gemeinschaft Tempelhof mit ihren Idealen, Visionen, tatkräftiger sowie finanzieller Unterstützung.
  • Die Schule für Freie Entfaltung mit interessierten und erforschenden Schülern.
  • Unsere Partner in Universtitäten, sowie bei der GLS Bank und der Software AG Stiftung.
  • Jede Menge Gäste, Freunde und Förderer, die an eine zukunftsfähige Landwirtschaft glauben!

Und nicht zuletzt können wir auf die Hilfe unzähliger Lebewesen im Boden zählen!

Wie finanzieren wir dieses Projekt?

 

Das Vorhaben lebt von sehr viel Ehrenamt und freiwilligem Engagement.

Die Gemeinschaft Tempelhof stellt zudem für 4 Jahre rund 50.000 € zur Verfügung. Weitere Spenden wurden bisher von der GLS Bank, der Software AG Stiftung sowie Privatpersonen zur Verfügung gestellt. Forschungsarbeiten sollen über universitäre Vorhaben finanziert werden.

Jedoch brauchen wir für weitere anstehende Maßnahmen, wie die Biodiversitätsuntersuchung, Planungsarbeiten und Pflanzungen weitere finanzielle Unterstützung! Jede Spende ist willkommen!!!

Unterstützen Sie uns, zukunftsfähige Landwirtschaft zu erproben und Boden lebendig zu machen!

Spendenkonto der grund-stiftung bei der GLS Bank Bochum:

IBAN: DE83 4306 0967 8207 9751 03

Verwendungszweck: „Aufbauende Landwirtschaft“

Herzlichen Dank!

November - Viele neue Bäume können Wurzeln schlagen!

Nach langem Bangen, kam der erste leichte Regen und mit viel zusätzlicher Bewässerung und vielen freiwilligen Helfern konnten wir jede Menge Bäume pflanzen: 120 Bäume und 140 Sträucher in diesem Herbst!!

  • 27 Äpfel
  • 17 Holunder
  • 100 Stück verschiedener Sträucher als Blühelemente, Nektarspender und zur Stickstoffsammlung (Leguminosen)
  • 50 Robinien
  • 17 Walnüsse
  • 20 Birnen, Mirabellen & Pflaumen nachgepflanzt
  • 20 Erbsensträucher nachgepflanzt

Mehr als 40 Menschen waren an den 2 Pflanzaktionen beteiligt! Für eine nachhaltigere Ernährung, für einen lebendigen Lebensraum und für ein gutes Klima!

Wer die ehrenamtliche Arbeit unterstützen möchte: wir freuen uns über Spenden für die Pflanzen!

Ein riesiges Dankeschön an alle bisherigen Spender und Mithelfenden!!!

November - Waldgarten zieht um !

Der Pilot-Waldgarten am Tempelhof hat eine neue Heimat gefunden. Mit besseren Standortbedingungen und an einer besser der Öffentlichkeit zugänglichen Stelle wurde der Waldgarten neu angelegt und viele viele Pflanzen umgesiedelt. Möglich wurde dies durch die intensive und unermüdliche Vorbereitung von Stef und viele fleißige und ehrenamtliche Helfer aus der Gemeinschaft und von außerhalb. Neben der Arbeit gab es reichlich Wissensvermittlung zum Aufbau des Waldgartens und leckere Pausen inmitten von lebendiger Natur!

Oktober - Trockenheit verzögert Baumpflanzungen

Die extreme Trockenheit im Sommer ging am Tempelhof bis Ende Oktober. Da dadurch der Boden zu hart war, mussten wir die geplante Baumpflanzaktion und auch den Umzug des Waldgartens um einen Monat nach hinten verschieben. Und hoffen auf Regen!!

September - Gemulchte und ungelmulchte Flächen und Kulturen bei Trockenheit

Dieses Jahr haben wir sehr deutlich sehen können, wie stark unser Mulchsystem den Wasserhaushalt im Boden verbessert und in den meisten Kulturen die Ernte rettet. Während der offenliegende Boden aufplatzt, entwickeln sich im Boden, der durch die Transfermulch-Schicht von der Sonne geschützt ist, die Wurzeln unserer Gemüsekulturen weiter. Ungemulchte Kulturen wie Möhren und Rote Betet konnten nur mit mit großem Aufwand und viel Wasser in ihren Ertrag kommen (siehe Foto). Unser Tonboden ist zwar ein guter Wasserspeicher, aber sobald er aufreißt, trocket er tiefgründig durch und somit stellt auch der größte Teil der Bodenbiologie seine Arbeit ein oder zieht sich zurück.

Mit 3 größeren Regenereignissen in der Hauptwachstumszeit, war es dieses Jahr (und ist bis jetzt) eine große Herausforderung unsere Kulturen gut durch die Saison zu bekommen, Gründungen & Zwischenfrüchte zu etablieren und dadurch unseren Boden ausreichend zu pflegen.

Es wird Zeit, dass wir unseren Anbau verstärkt auf mehrjährige Kulturen stützen und uns dementsprechend ernähren! Wenn es die anhaltende Trockenheit erlaubt, werden in wenigen Wochen die nächsten essbaren Gehölzstrukturen unseres Agroforstkonzepts gepflanzt.

August - Neue Wetterstation am Tempelhof

Im Rahmen der Dokumentation für unser Forschungsprojekt zum Bodenaufbau, wurde eine Wetterstation am Tempelhof errichtet, die nun Dank Simon direkt ans Netz angeschlossen ist, so dass wir die Daten speichern und auslesen können. Damit werden für zukünftige Forschungsarbeiten die notwendigen Daten zu Wachstumsbedingungen verfügbar gemacht.

Die Wetterstation steht in der Verlängerung des Haines auf dem Wall in Richtung Feldhecke. Hier gibt’s die aktuellen Daten: http://wetter.schloss-tempelhof.de/

Juli 2018 - Altgrasstreifen

Eine Wiese (Dauergrünland) kann ein sehr artenreiches Biotop sein, dass unzählige Falter und Bienenarten mit seinen Blüten ernährt. Wenn Heu geschnitten wird, mähen die meisten Bauern alles ab. Meist fallen auch noch die Schnittzeitpunkte (oft wetterbedingt) einer ganzen Region auf dieselbe Woche. Das heißt, dass innerhalb weniger Tage die komplette Futtergrundlage und der Lebensraum v.a. für die meisten Falter verschwindet, die wiederum einen Teil der natürlichen Nahrungskette darstellen.

Durch die Biodiversitätserhebung, die gerade im Zuge des Forschungsprojekts auf unseren Flächen durchgeführt wird, haben wir nun deutlich mehr Einblick in unser kleines Ökosystem und können daher gezielt Ecken, Ränder und Streifen stehen lassen, wo seltene Falter leben oder bedrohte Pflanzen wachsen.

Die Altgrasstreifen sind Rückzugsflächen für Insekten und sorgen dafür, dass seltene Gräser und Kräuter, die das Schneiden nicht gut vertragen sich dennoch vermehren können.

24. Juni 2018 - Erdfest-Initiative

In einer zunehmend technisierten und urbanisierten Welt handelt die ERDFEST-Initiative davon, der Erde – als Boden und als Planet – endlich neu das zu schenken, woran es derzeit mangelt: Bewusstsein für eine echte Gegenseitigkeit mit ihr. Hierzu schlägt diese Initiative vor, mit dem Erdfest ein neues Fest im Jahreslauf zu schaffen.

Vom 22.-24. Juni fand das 1. Erdfest am Tempelhof statt. In Zukunft wollen wir alljährlich zu diesem Termin gemeinsam mit vielen Menschen an ganz unterschiedlichen Orten die Lebendigkeit ehren und wertschätzen, und damit beitragen zu einem neuen Miteinander mit der Natur zu finden.

Mai 2018 - Start der Biodiversitätserhebung

Von Mai bis August wird eine ausführliche Biodiversitätserhebung am Tempelhof durchgeführt. Ein Biologe macht botanische und zoologische Untersuchungen im gesamten Gelände und wertet die Ergebnisse aus. Damit wollen wir zum einen nachvollziehen, wie der Zustand der BIodiversität am Tempelhof momentan hat und ob unsere bisherigen Massnahmen bereits zu einer Steigerung oder Erweiterung der Artenvielfalt beigetragen haben. Zum anderen dienen die Ergebnisse als Ausgangsbasis für spätere Vergleichsstudien, wenn wir die Biotopvielfalt weiterentwickelt haben.

1. Mai 2018 - Einweihung Boden - Lehrpfad

Rechtzeitig zum 1. Maifest am Tempelhof konnten die ersten Schautafeln für den Lehrpfad zur Aufbauenden Landwirtschaft aufgestellt werden. In Zukunft sollen auf mehreren Schautafeln rund um das Gelände des Tempelhofs wichtige Aspekte und Elemente von Bodenaufbau, Permakultur und nachhaltiger Landwirtschaft dargestellt werden. Den Anfang machen Schautafeln zum Bodennahrungsnetz, Grünen Brücken und Market Garden.

März 2018 - Start der umfassenden Dokumentation

Mit Start der landwirtschaftlichen Saison beginnt das Team umfassende Parameter zu Bodeneigenschaften, Ertragswerten im Market Garden sowie Rahmendaten durch eine Wetterstation für zukünftige Forschungsarbeiten kontinuierlich zu erfassen. Nachdem im Vorjahr mit einer großen Aktion zur Bodenbeprobung am Tempelhof die Ausgangswerte im Boden ermittelt wurden (die endgültigen Ergebnisse der Universität stehen noch aus), wollen wir damit sicherstellen, dass für spätere Vergleichsstudien und Auswertungen entsprechende Daten zur Verfügung stehen.

Februar 2018 - Erste Masterarbeit zu Bodenbeprobung Tempelhof

Auf Grundlage der ersten Daten der Bodenbeprobung im April 2018 zur Ausgangslage der Bodenqualität am Tempelhof hat Luca Masiero, Erasmus Student an der Universität Witzenhausen/ Kassel seine Masterarbeit geschrieben.

Für die Bodenbeprobung wurden auf 9 landwirtschaftlichen Flächen des Tempelhofs und 2 Nachbarfeldern als Kontrolle mit einem motorisierten Probenehmer bis zu einer Tiefe von 50 cm insgesamt 204 Bodenproben entnommen. Parallel dazu wurde mit Hilfe eines Spaten der Boden mit der Methode „Bodenansprache“ untersucht und bewertet.

In Lucas Arbeit wurde die Wasserhaltekapazität, die Lagerungsdichte (wie stark der Boden verdichtet ist), und die mikrobielle Biomasse des Bodens bestimmt. Dabei spielt die mikrobielle Biomasse, die Mikroorganismen, für Bodenfruchtbarkeit und Nährstoffkreislauf eine essentielle Rolle, da sie den Umsatz der organischen Bodensubstanz wesentlich steuern.

Die Werte der Lagerungsdichte liegen alle im Rahmen, die für einen Boden mit hohem Lehmanteil in der Literatur zu finden sind. Bei fast allen Probepunkten war der Oberboden lockerer als die unteren 30-50 cm. Der Oberboden ist im Waldgarten und im Grünland am lockersten. Im Gewächshaus zeigt die tiefere Schicht des Bodens im Vergleich mehr Porenvolumen.

Die Werte der Biomasse sind mit früheren wissenschaftlichen Arbeiten aus der Region vergleichbar. Dabei zeigt die Art der Bodenbearbeitung, ob konventionell oder biologisch, einen großen Einfluss auf die mikrobielle Biomasse. Waldgarten und  Grünland zeigen die höchsten Werte an mikrobieller Biomasse, gefolgt von Market Garden und den Gewächshäusern. Felder, die von uns ökologisch bearbeitet werden und an die konventionellen Kontrollfelder angrenzen, zeigen mit diesen noch ähnliche Werte.

Insofern können die Daten gut als Grundlage für spätere Vergleichsstudien herangezogen werden, da wir uns erst am Anfang des langfristigen Vorhabens einer „aufbauenden Landwirtschaft“ befinden.

28. Januar 2018 - Symposium Aufbauende Landwirtschaft 2018

Vom 26. – 28. Januar 2018 fand zum zweiten Mal das Symposium zur Aufbauenden Landwirtschaft am Tempelhof statt. Stefan Schwarzer organisiert das Symposium als Plattform für Gärtner und Landwirte aus ökologischem und konventionellem Landbau, sowie Menschen, die an zukunftsfähigem Acker- und Gemüsebau interessiert sind. Im Mittelpunkt stehen Fragen zu einem veränderten Verständnis von Mensch, Natur und Landkultur und zukunftsfähigen, Ressourcen aufbauenden Landbaupraktiken. Erfahrene Praktiker und Referenten aus der Forschung unterstützen das Symposium mit Theorie- und Praxiswissen.

13. Oktober 2017 - Ernte Dank 2017

Heute fand das alljährliche Ernte-Dank-Fest bei strahlendem Sonnenschein statt. Die Erde und unsere Landwirte und Gärtner haben uns eine Rekordernte geschenkt. MIt Gesang und Verteilung von gesegneter Erde auf unseren Feldern feiern wir das Jahr und verabschieden die Felder in die winterliche Ruhephase.

Humus und Humanus

Das Kultivieren des Bodens und das Kultivieren des Geistes sind „wesensgleiche“ Tätigkeiten.

Hildegard Kurt in „Die neue Muse“

Forschung

Für die Initiierung eines gesellschaftlichen Wandels, der über den Ökolandbau hinaus auch in die konventionelle Landwirtschaft hineinreicht, braucht es überzeugende Argumente und die Erprobung von Techniken und Methoden im Kontext eines bestehenden landwirtschaftlichen Betriebes. Das Forschungsvorhaben „Aufbauende Landwirtschaft am Tempelhof“ ermöglicht:

  • Die unmittelbare Anwendung von aktuellen Forschungsergebnissen in einem biologischen Landwirtschaftsbetrieb mit großer Bereitschaft für experimentelle Methoden;
  • Die Umsetzung von innovativen Methoden zur Steigerung der Agrobiodiversität in einem realen Produktionsbetrieb;
  • Transdisziplinäre Forschung mit holistischer Herangehensweise unter den Voraussetzungen eines laufenden landwirtschaftlichen Betriebes;
  • Die Erforschung von Fragestellungen bezogen auf ein teilweise geschlossenes System durch die Einbettung des landwirtschaftlichen Betriebes in eine definierte Dorfgemeinschaft.

 

Das Vorhaben wird in Kooperation mit verschiedenen wissenschaftlichen Institutionen und Partnern aus der Praxis durchgeführt, die uns beraten und begleiten (FIBL Schweiz, FH Nürtingen, Universität Hohenheim, Universität Witzenhausen/ Kassel). Ergebnisse aus der Forschung werden hier veröffentlicht. Anfragen für wissenschaftliche Arbeiten bitte an: aufbauende-landwirtschaft[@]grund-stiftung.org

Forschungsarbeiten und Daten

Masterarbeit „Assessment of Soil Fertility Tempelhof 2017“ – Download

Seit ein paar Monaten steht eine Wetterstation in der Verlängerung des Haines auf dem Wall in Richtung Feldhecke, die nun auch zum Auslesen der Daten an unser Netz angeschlossen ist. Dies ist Teil der Dokumentation von Boden- und Ertragsentwicklungen, sowie Wachstumsbedingungen, damit wir später fundierte Aussagen zur Wirkung unserer Anbaumassnahmen treffen können. Aktuelle Wetterdaten vom Tempelhof – http://wetter.schloss-tempelhof.de/ 

Kontakt

Hast Du Fragen und Anmerkungen zum Projekt? Hast Du Interesse an der Durchführung einer Forschungsarbeit oder möchtest mitarbeiten? Bitte kontaktiere uns über aufbauende-landwirtschaft@grund-stiftung.org

Spenden

Unterstützen Sie uns, zukunftsfähige Landwirtschaft zu erproben und Boden lebendig zu machen!

Spendenkonto der grund-stiftung bei der GLS Bank Bochum.

IBAN: DE83 4306 0967 8207 9751 03

Verwendungszweck: „Aufbauende Landwirtschaft“

Impressum

grund-stiftung am Schloss Tempelhof

Gemeinnützige Stiftung

Adresse: Tempelhof 3, 74594 Kreßberg
Telefon: 07957 9239-030
E-Mail: info@grund-stiftung.org
Vorstand: Maria Keil, Eika Bindgen
Stiftungsratsvorsitzender: Wolfgang Sechser
Stiftungsaufsicht: RP Stuttgart
Stiftungsverzeichnis: Nr. 14-0563
Finanzamt: SHA-Crailsheim,
St.Nr. 57075/05541
Bank: GLS Gemeinschaftsbank eG
BIC: GENODEM1GLS
IBAN: DE83 4306 0967 8207 9751 03